Schreibblockade

Eine Schreibblockade kann für einen Autor vernichtend sein. Sie erwischt den ahnungslosen Schreiber meist völlig unvermittelt und verursacht eine abgrundtief gähnende Schockstarre.
Vergleichbar ist das mit dem Gefühl, dass mich beschlich, als ich vor unvorstellbar vielen Jahren allein in der Sahara stand. Das heißt, so ganz allein war ich nicht. Hinter mir in einem staubbedeckten klapprigen Linienbus saß ein bunter Haufen neugieriger Fahrgäste und beobachtete jeden meiner Schritte. Was würde ich jetzt tun? Würde ich es schaffen, mich aus dieser Affäre zu stehlen? Was war passiert, dass ich in eine derart ratlose Situation geriet?

Nach der Abfahrt vom algerischen Saharaort Touggourt säumten zunächst noch Palmen, Olivenbäume und sonstiges Grünzeug die Route. Mehr und mehr traten diese dann jedoch zurück, um allerhand belanglosem Gestrüpp Platz zu machen. Als auch dies immer seltener wurde und nunmehr fast nur noch Geröll zu sehen war, beschlich mich das Gefühl, bald müssten wir auf dem Mond angelangt sein.
Bald waren nur noch gelegentlich kleine Gebetshäuschen zu sehen, die zu den fest gesetzten Gebetszeiten angesteuert wurden. Alle verließen den Bus, die Schlappen wurden abgelegt und im Sand in einer ordentlichen Formation vor dem Eingang aufgereiht. Nach Verrichten der Gebete ging das ganze retour. Zurück in den Bus und weiter durch die Kärgnis.
Und dann war es plötzlich da. Das unendlich oft schon gespürte Verlangen, eine Toilette aufzusuchen. In Anbetracht der Einöde jedoch und eines plötzlichen Kulturschocks, der mich schlagartig heimsuchte, wurde mir die Ausweglosigkeit meiner Lage bewusst. Dazu übermannten mich zusätzlich noch Peinlichkeitsgefühle, da keiner der übrigen Fahrgäste derartig gepeinigt zu sein schien. Alle schienen ihre Blase im Griff zu haben.
Zudem hatte ich noch nie aus derlei niederen Gründen einen Bus gestoppt, wusste auch nicht, wie ein solches Ansinnen in dieser geheimnisumwobenen Kultur angemessen zu kommunizieren sei.
Trotz dieser widrigen Umstände gelang es mir dann doch, den Busfahrer zum Anhalten zu bewegen. Stieg aus und entfernte mich ein Stück vom Bus, um eine geeignete Stelle zu suchen.
Es gab keine. Kein Strauch. Kein Stein. Kein Gegenstand, hinter dem die geplante Aktion zu erledigen wäre. Nur Sand, Ödnis und unendliche Weiten. So entfernte ich mich weiter vom Bus und schaute zurück. Die Fahrgäste schauten angestrengt in Fahrtrichtung, aber ich wusste es: sie beobachteten mich aus dem Augenwinkel. Sie wollten nun sehen, wie der Allemanne sich aus der Affäre zieht.

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2 Gedanken zu “Schreibblockade

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