Tea Times

Es soll einen Mann gegeben haben, der seine Teesorten nicht nach ihrer Herkunft unterteilte, auch nicht anhand ihres Namens oder ihrer Beschaffenheit.

So gibt es bekanntlich fermentierten Tee. Aber das spielte für ihn keine Rolle.

Er suchte sich zur nachmittäglichen Tea Time seinen Tee nach besonderen Charaktereigenschaften aus.

So wollte er lange Zeit nur den Tee trinken, bei dem jeweils die Blattknospe und zwei Blättchen vorsichtig getrocknet und in Handarbeit flach gedrückt werden.

Ein anderes Mal wiederum reizte ihn der Tee mit dem frechen, fordernden Geschmack.

Sehr gerne trank er auch den als ausgewogen und mild charakterisierten Tee, der bewusst zum Ende der Pflückperiode geerntet wird.

Der von unabhängigen Experten regelmäßig geprüfte Tee mundete ihm zwar auch vorzüglich, doch widerstrebte ihm der Gedanke, dies könne mit der Expertenprüfung zu tun haben.

Würde es doch keinem Experten jemals gelingen, seinem Tee einen wie auch immer gearteten Charakter einzuhauchen oder diesen zu verbessern.

Er würde auch weiterhin ohne Expertenrat und ohne auf Herkunft, Farbe oder Beschaffenheit zu achten, nach den Tees mit Charaktereigenschaften suchen, die so viel mehr wert sind, als alles andere.

© Kornelius R. Böcher

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