Rechtschraipschweche

Die deutsche Rechtschreibung stirbt. Der Spiegel berichtet diese Woche von dem beängstigenden Verlust der Rechtschreibfähigkeit unserer Kinder. Das war abzusehen, wir haben die Problematik jedoch zu lange verdrängt. Der Spiegel verwendet natürlich drastische Beispiele. Wenngleich die Realität sicher nicht lustig Ist.
Wir haben lebenslang mit der Rechtschreibung zu tun und wenn jemand das in der Schule nicht richtig gelernt hat, wird er auch später damit zu kämpfen haben. Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr, ist eine alte Weisheit. Es ist aber nicht nur eine Sache des Lernens. Es spielen mehrere Faktoren eine Rolle, wie die Fähigkeit, sich Dinge, in diesem Fall Wörter, zu merken oder auch nur das Interesse an Texten und am Lesen und Schreiben grundsätzlich zu haben. Natürlich spielt auch die Begabung eine Rolle. Und natürlich das Zuhause. Dort wird Lesen und Schreiben entweder gefördert oder eben nicht.
Ein ganz unbeachteter Faktor ist übrigens der Stress. Wer gestresst ist, macht Fehler. Auch beim Schreiben. Das belegt z.B. folgender Satz aus einer Kundenbeschwerde: „Sorry, wurd es nucht!“ Das ist kein Englisch-Norwegisch, das ist ein zorniger Satz, bei dessen Erstellung der Schreiber statt auf das I auf das U der Tastatur eingehämmert hat. Es sollte heißen: Sorry, wird es nicht! Im Zorn ging das daneben. Das ist besonders dann äußerst bitter, wenn sich das nicht mehr nachträglich korrigieren lässt, wie das bei E-Mails oder in sozialen Medien der Fall ist. Und das nur, weil in der Erregung auch das Korrekturlesen des eigenen textlichen Meisterwerks unterblieben ist.
Mit zunehmendem Stress wird die Menschheit sich immer weniger verstehen. Wenn der Zornige auch nur zwei weitere Buchstaben vermasselt hätte, wäre der Satz bis zur Unkenntlichkeit entstellt worden: „Dorry, wurd es mucht!“ Das versteht wirklich KEINER mehr. Der Satz lässt sich auch kaum noch mit vertretbarem Aufwand dekodieren. Und alles nur wegen ein wenig Erregung des Schreibers.
Die langfristigen Folgen sind unabsehbar. Es ist also sehr wichtig, für das Abfassen von Texten gleich welcher Art Stress möglichst zu vermeiden. Und zwar in allen Lebensbereichen, nicht nur in der Schule. Aber wir kennen jetzt wenigstens eine der Ursachen, die bei der Rechtschreibdegeneration unserer Kinder eine Rolle spielen: Stress.
Eine Lösung? Die wird es kaum geben, ich habe diesmal auch keine anzubieten. Es wird wohl eher noch schlimmer werden. Nein, kein Happy End meiner Story. Diesmal nicht.

© Kornelius R. Böcher 06-18-2013

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