Himmelsbote

Als ich in mein Auto steigen will, sehe ich es: eine weißliche Substanz auf der Motorhaube. Ich zögere und überlege. Hat jemand seinen Joghurtbecher dort entleert? Vielleicht sogar mit Absicht? Eine Geruchprobe bringt die schonungslose Wahrheit ans Licht: es ist Kotze! Ja, anders ist das nicht zu nennen.

Es kann aber kein Mensch gewesen sein, ein Mensch würde eine derart edle schwarze Motorhaube keinesfalls mit seinem Auswurf bedenken. Dies und die Art der Ausführung – völlig lieblos hingeworfen – lassen einen anderen Täter vermuten: ein Tier!

Weinend breche ich vor der Motorhaube zusammen. Habe ich nicht genug am Hals? Jetzt auch noch die Katze. Mir fällt ein, dass ich solche Auswürfe die letzten Tage rund um unser Haus gesehen habe. Es treibt also eine kranke Katze hier ihr Unwesen. Toll!

Kennst du solche Zeiten? Da scheint dir überall der Auswurf des Lebens zu begegnen. Kein Lichtblick zeichnet sich ab. Alles ist hässlich und gemein, hat sich gegen dich verschworen.

In einer solchen Situation ist mir ein Himmelsbote begegnet. Ein Luftballon kam angeflogen. Er sagte nur ein Wort: Gut. Das hat gereicht..

Heute morgen hat es geregnet. Als ich an der Bushaltestelle ankomme und das Auto abstelle, ist die Motorhaube sauber. Der Regen hat alles gründlich abgewaschen.

Bevor ich in den Bus einsteige, bedanke ich mich beim Regen. Obwohl – ich weiß schon, wem ich so etwas wirklich zu verdanken habe und wer im Hintergrund die Fäden zieht …

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