Geheimbotschaften

Als ich vor einiger Zeit auf einem Schulparkplatz zu meinem Auto zurückkam, bemerkte ich einen Container, den ich bei der Ankunft gar nicht bemerkt hatte. Offensichtlich wurde die Schule gerade renoviert. Im Container sah ich einige alte Holzplatten, wohl von Schülertischen. Weil sie mit geheimnisvollen Zeichen versehen waren, nahm ich zwei davon heraus, um sie näher zu untersuchen. Bei meinen späteren Recherchen über die Entstehung der Gravuren, Verzierungen und textlichen Botschaften kam ich zu folgendem Ergebnis:

Vor langer, langer Zeit, als Schüler noch keine elektronischen Kommunikationsgeräte hatten, kommunizierten sie mit Hilfe einer ausgestorbenen, heute nur noch schwer nachvollziehbaren Ritztechnik. Es war eine nonverbale Kommunikationsform, die über geheimnisvolle Abkürzungen und grafische Symbole umgesetzt wurde, die mit verschiedensten, jeweils gerade verfügbaren Werkzeugen in die Tischplatte geritzt, geschnitzt oder gebohrt wurden. Auch mit verschiedenen Stiften und gelegentlich mit Pinseln wurde gearbeitet.

Es ist heute nicht mehr zu ermitteln, wie die Schüler es schafften, über diesen Kanal zu kommunizieren, ohne dass die Lehrer es merkten. Es kann sein, dass die Botschaften nach und nach, über einen längeren Zeitraum, erstellt wurden. So merkten die Lehrer nicht, wie die Tischplatten ihr Aussehen veränderten und merkten somit nicht sofort oder auch gar nicht, dass die Tischplatten zur Nachrichtenübermittlung verwendet wurden.

Besonders ansprechend und für die Forscherwelt äußerst interessant sind Nachrichten in Gedichtform. Unvergesslich sind verschiedene Gedichte, die an Toilettenwände geschrieben wurden, natürlich mit schwer entfernbarer Eddingtinte.
Mit derlei Permanentstiften wurden auch Botschaften auf Schülertischen hinterlassen, doch war es für die Autoritäten natürlich einfacher, diese entfernen zu lassen, als die gravierten Nachrichten.

Es scheint in der Natur vieler Menschen zu liegen, Botschaften möglichst dauerhaft und für möglichst viele Leser sichtbar zu hinterlegen. Ein verbreitetes Beispiel sind Texte und Graffiti an Gebäuden, die in Städten in verschiedensten Formen und Ausprägungen zu bestaunen sind.

Die Autoritäten haben reagiert und in vielen Städten für diese Botschafter Freiräume geschaffen, also bestimmte Flächen für die Ausübung dieser Kunst freigegeben.

Aber: sind die geheimnisvollen, illegal erstellten Botschaften alter Tischplatten nicht irgendwie interessanter?

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