BIG DATA

Digital, Security, Big Data. Gute Zeiten für Spione. Denn eins ist sicher: auch wenn so manches Tier schon ausgestorben ist und einige noch dabei sind, die Spione werden niemals aussterben. Es hat sie schon immer gegeben und es wird sie immer geben.

Und weil sie scheinbar immer aktiver werden, gibt es für die Menschheit jetzt auch wieder viel zu tun, was unschwer beim Gang durch die heiligen Hallen der Technik bei der CeBIT zu erkennen war. Es wird emsig gebastelt an noch besseren Techniken zur Datensicherheit und eine Mitarbeiterin eines High Tech-Unternehmens hat dort doch die Stirn, mir ihr Hardware-Produkt als weltweit sichersten Datentresor zu präsentieren, ohne dabei auch nur mit der Wimper zu zucken, unfassbar. Nun, kein
Wunder, dass auch deren Marketingabteilung sich nicht scheut, auf der Produktbroschüre ein fettes Nashorn abzubilden, das ist dann ja mehr als angemessen, um die Sicherheit symbolisch zu zeigen. Ich merke, wie ich unvermittelt und sofort Vertrauen zu dem Nashorn fasse. Es wird meine Daten bis auf’s Äußerste verteidigen.

Also noch digitaler muss alles werden. Wobei ich mich frage, ob meine drei Digitalkameras, mein iPad und meine zwei Smartphones in meiner Tasche noch nicht genug sind. Einfach nur digital scheint nicht genug zu sein. Es muss noch digitaler werden, so lautet ein Banner von Fujitsu: „Reshaping Business and Society“. Als ob das alles nicht schon reshaped genug wäre.

Wir haben außerdem noch nicht genug Daten angelegt und verteilt. Es muss jetzt Big Data sein. Also noch mehr Daten erzeugen und gleichzeitig sichern. Wobei es fraglich ist, ob die Sicherung dem Tempo der Verteilung standhalten kann. Es hat doch jetzt schon kaum jemand noch eine Ahnung, wo die eigenen Daten überall herumschwirren und wer darauf Zugriff hat. Oder haben könnte. Und überhaupt, die Welt scheint sowieso nur noch aus Daten zu bestehen. Alles scheint virtuell zu sein oder
zumindest kurzfristig zu werden. Das bisschen Stofflichkeit kann man eigentlich vernachlässigen. Wir wissen ja gar nicht, ob wir überhaupt noch hardewaremäßig vorhanden sind. Vielleicht ist das ganze, was wir jetzt noch sehen und anfassen können, bald gar nicht mehr die wirklich wichtige Welt und wir wechseln hinüber zu unseren Daten?

Dann war da noch die Sache mit dem Pass. Die Conference Hall der CeBIT ist nur mit einem Conference-Pass zu betreten und der kostet 240 Euro. Bei der Kontrolle versuche ich, als Spion anerkannt zu werden und dort Asyl zu finden. Schaue der Kontrolleurin tief in die Augen… Die nette Dame am Schalter versichert mir, nur für wirklich wichtige Personen könnte Sie eventuell an diesem Tag (letzter Messetag) eine Ausnahme machen. Ich solle ihr mal meine Visitenkarte zeigen. Ich reiche ihr meine Visitenkarte. Sie ist sofort überzeugt, dass ich eine wichtige Person bin und stellt mir diese sündhaft teure Card aus. Freue mich derweil unbändig, dass ich zu den Wichtigen gehöre. Heute hängt die Card zur Erinnerung in meiner Vitrine, digital angestrahlt.

In diesem streng gesicherten Bereich hatte wohl auch gestern der Dinosaurier der digitalen Welt, Steve Wozniak, gesprochen. Ich treffe ihn nicht mehr, kann aber noch eine gewisse Atmosphäre von Big Data in dieser abgeschirmten Halle spüren. Schade, ich hätte die Card einen Tag früher haben müssen.

In dieser Halle, am Übergang zu einem noch sicherer gesicherten Bereich, den nur einige Auserwählte der digitalen Welt betreten durften – an dieser Schleuse scheitere ich sogar mit meiner 240 Euro-Card – dort sehe ich es jedoch plötzlich und unvermittelt: das Geheimbuch der digitalen Zunft. Ich wage nicht, den Titel zu nennen. Es ist einfach zu geheim. Es geht um Digital Disruption, eine Kunst des reshapens der gesamten Welt, nein, das ist zu kurz gedacht, des gesamten Universums. Steve Jobs beherrschte das in Perfektion.

Völlig in Trance verlasse ich die teure Halle, geblendet vom Tageslicht der gerade wieder hinter den Wolken hervorgekrochenen Sonne. Der Audi R8 von Vodafone holt mich dann endgültig in die Realität zurück. Welch Hardware! Bei dem Anblick schrumpft doch alles digitale zur Bedeutungslosigkeit zusammen! Doch selbst dieses edle Machwerk wird nicht verschont bleiben. Vom Datenklau. Vom Reshaping. Vom Big Data. Wir werden nirgends mehr unsere Ruhe haben…

Ich kontrolliere mein Smartphone und stelle mit Entsetzen einen wichtigen, aber verpassten Anruf fest. In der Big Data-Halle war es wohl zu laut, nichts gehört. Das Digitale scheitert so oft an den Kleinigkeiten des Alltags. Wann werden wir das endlich in den Griff bkommen?

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