Vermessen

Neulich gelang es mir, wie mir schien, unbemerkt, ein Selbstporträt anzufertigen. Das war nach dem Einkauf in einem Geschäft für Küchendesignartikel. Als ich dort, nachdem ich mit einer Kreditkarte bezahlte, mit Erlaubnis der Kassiererin, eine Aufnahme des gekauften Artikels angefertigt hatte, bemerkte ich allerdings noch keine verdächtige Bewegung.
Erst später, beim Betrachten des Selbstporträts, war mir, als habe auf dem Balkon rechts oben im Bild etwas aufgeblitzt. Nur ganz kurz. .

Da wusste ich es: die NSA! Der Agent musste mich verfolgt und dann vom Balkon aus ein Bild von mir angefertigt haben, als ich das Selbstporträt angefertigt hatte. Mit ziemlicher Sicherheit hat er dabei auch Datenpakete abgesaugt. Aus meiner Kreditkarte. Aus meinem iPhone.
Der Mensch und sein Zwang, alles zu kartografieren, zu dokumentieren, zu vermessen. Ja, vermessen. Das ist ein passendes Wort. Das zeigt die ganze Tragik. Unausweichlich auf ein Ziel hinauslaufen.
Noch eins: den Agent habe ich zwar nicht gesehen, aber ich weiß, dass er da war. Er hat die Daten abgesaugt und sich dann aus dem Staub gemacht. Weil er nicht anders kann.

© Kornelius R. Böcher 04-07-2014

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