Ostern in den Katakomben

Es hat uns wieder nach Thüringen verschlagen. Zu Ostern. Was liegt da näher, als die Essenz des Festes ein wenig zu recherchieren. Die Bedeutung auf ein paar bemalte bunte Eier zu reduzieren, ist mir auf die Dauer doch zu billig. Manche Antworten auf meine zugegebenermaßen neugierige Frage zielen zwar schon in Richtung der Auferstehung Christi, aber ich weiß nicht, was mir das über die Behauptung, dass da jemand gestorben und wieder lebendig geworden sein soll, sonst noch sagen soll.

Da ich ein geübter Agent bin, seile ich mich daher kurz entschlossen und bei völliger Dunkelheit in die geheimen Katakomben der Wartburg ab. Dort sollen einige besondere Schriften Luthers deponiert sein, die noch nie veröffentlicht wurden. Außerdem einige Papyrusstücke von Schriftrollen aus Qumran.
Während ich im Schein meiner Helmlampe diese außerordentlichen Dokumente prüfe, denke ich darüber nach, was Luther uns eigentlich gegeben hat.
Wieviele Menschen hatten sich bis dahin schon in alle möglichen Katakomben abgeseilt, um eine Wahrheit oder eine Geheimwissenschaft zu entdecken. Im Grunde geht es oft um das gleiche Problem: Gott zu erkennen, ihn gnädig zu stimmen, ihm zu gefallen. Oder ihn loszuwerden. Mit einem alternativen Geheimwissen. Und damit verbunden: mit dem Problem der Schuld fertig zu werden. Sie loszuwerden. Zu verarbeiten. Zu leugnen vielleicht.
Nach Stunden der Suche finde ich plötzlich im schwächer werdenden Licht meiner Leuchte eine Stelle in einem Brief Luthers an Melanchton, der in der Osterzeit verfasst worden sein muss. Er zitiert darin zwei Verse aus dem 15. Kapitel des ersten Korintherbriefes, also von Paulus selbst.

Dort steht:
Hoffen wir allein in diesem Leben auf Christus, so sind wir die elendesten von allen Menschen. Nun aber ist Christus auferstanden.

Hm. Also ist der Glaube im Prinzip nichtig, wenn er nur bis zum Tod reicht und nicht darüber hinaus. Aber das hat uns Luther doch bereits gesagt. Auch dass wir uns den Himmel nicht verdienen können. Sondern dass wir nur durch Hinkehr zu Christus in den Himmel kommen können.
Was haben die Menschen alles versucht. Sich angestrengt, gut zu sein. Sich gequält. Gegeißelt. Alles nichts genützt.
Erschaudernd wende ich mich von den Schriften ab. Will ich eigentlich das Rad neu erfinden? Ist doch alles schon geschehen.

Allein in diesem Leben…
Der Glaube muss darüber hinausgehen.

Es muss eine Auferstehung geben.
Auf welcher Seite ich auferstehe, entscheidet sich aber vor dem Tod.
Es hängt von meiner Beziehung zu Christus ab.

Ich verlasse die Katakombe. Es ist noch dunkel draußen. Keiner hat mich beobachtet. Aber ich weiß jetzt ziemlich genau, was Ostern bedeutet. Es ist nicht genug, es zu wissen. Ich muss mich Christus zuwenden.


© Kornelius R. Böcher 04-21-2014

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