Meine Begegnung mit Osama

Neulich im Schwimmbad: mein Sohn und ich werfen uns wie gewohnt im Kinderbecken einen Ball zu und sind ganz konzentriert bei der Sache, als plötzlich eine dunkelhaarige Kleine zwischen uns schwimmt und mitspielen will. Sie muss ein Flüchtlingskind sein, dem Aussehen nach und weil eine weibliche Begleitperson dabei ist, die nicht wie ihre Mutter aussieht. Ich werfe ihr den Ball zu und sie macht alles mögliche damit, bevor sie ihn dann etwas widerwillig zurückwirft, nach Aufforderung ihrer Betreuerin. So geht das eine Weile, wobei sie immer, wenn ich den Ball zurückerhalte nach dem üblichen Prozedere, sie ihn unbedingt sofort wieder zurückhaben möchte. 

Ich mache das Spiel eine Weile mit, aber weil ich merke, dass mein Sohn die nötige Geduld nicht aufbringt, schließe ich sie nach einer Weile aus unserem erlauchten Kreis aus. Immerhin muss ich mich auch noch ein wenig um mein eigenes Kind kümmern. Nach einer Weile des trauten Ballspiels unter Männern höre ich plötzlich einen Ruf aus Richtung der Betreuerin: „Osama! …. Ossssaaama!!“ Ich kann gar nicht so schnell untertauchen, wie ich möchte, es geht zu schnell. Mir fallen die Zwillingstürme ein und wie schnell die dann eingestürzt sind. Ich habe zwar nur ein dunkelhäutiges Kind aus unserer Ballrunde ausgeschlossen, aber wer weiß, was Osama nun von mir hält und ob ich jetzt auf seiner Racheliste stehe?! 

Ich beschließe, mit meinem Sohn nun unter dem Vorwand, eine Runde im großen Becken zu schwimmen, aus dem Kinderbecken zu verschwinden. Ich wende mich nach rechts – und erschrecke. Ein Dunkelhaariger treibt in Rückenlage langsam auf mich zu. Grausame Bilder von orientalischen Rächergestalten kommen mir in den Sinn, es schaudert mich. Sicher hat er ein sehr scharfes Messer zwischen den Zähnen. Doch nach genauerem Hinsehen bin ich erleichtert. Es ist ein Junge, kaum älter als mein Sohn. Warum er Osama genannt wurde, kann ich nur vermuten, gefährlich sieht er jedenfalls nicht aus. 

Eine Weile spiele ich mit dem Gedanken, ihn zu fragen, woher er kommt und ob er wirklich Osama heißt. Immerhin kann es sein, dass ich mich verhört habe. Dann hätte ich mir die ganzen Überlegungen und die Fantasien mit den orientalischen Rächern sparen können. 

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